Seelsorgeraum?

Was bedeutet Seelsorgeraum?

Seelsorgeraum steht für Gebiet, innerhalb dem mehrere Pfarrgemeinden verbindlich
zusammengefasst sind. Zusammen mit anderen Kristallisationspunkten christlichen Lebens
wie z.B. Klöstern, Wallfahrtsorten, Bildungshäusern oder kirchlich sozialen Einrichtungen
bilden sie im Seelsorgeraum ein Netzwerk von Kirche am Ort.

Seelsorgeraum steht für einen mutigen Aufbruch in die Zukunft.

Das Umfeld von Kirche und Pfarrgemeinde ist im Wandel begriffen. Gesellschaftliche und
kirchliche Entwicklungen stellen Kirchenleitungen und Gläubige vor große
Herausforderungen. Die Kirche als gesellschaftsprägende Kraft ist stark in Frage gestellt.
Glaube und Pfarrzugehörigkeit sind für die Menschen nicht mehr selbstverständlich, die Zahl
der Priester geht zurück.
Solche Entwicklungen lassen sich nicht „schnell“ korrigieren oder außer Kraft setzen, indem
wir davor die Augen verschließen. Der Weg in die Seelsorgsräume bietet einen Rahmen für
Pfarrgemeinden, hauptamtliche pastorale MitarbeiterInnen, Priester und alle, denen die
„Kirche im Dorf“ ein Anliegen ist, sich bewusst und kreativ mit dem, worauf wir zugehen, zu
beschäftigen.

Seelsorgeraum bedeutet: Erhalt der Pfarrgemeinden.

Gewachsene gemeindliche Identität und bewährte Strukturen sollen erhalten und
weiterentwickelt werden. Pfarrgemeinde bedeutet für viele Menschen Beheimatung im
Glauben in einer relativ überschaubaren Gemeinschaft. Sie gibt der Kirche ein konkretes
Gesicht: durch gläubige Menschen, vertraute Kirchenräume, durch Verlässlichkeit im
seelsorglichen Angebot. Um der Lebendigkeit willen bedarf es Bereitschaft aller, den Weg zu
den Quellen des Glaubens einerseits und das Gespräch mit Menschen und ihren existenziellen
Fragen andererseits immer wieder neu zu suchen.

Seelsorgeraum bedeutet: Pfarrgemeinde lebt durch das Engagement der Gläubigen

„Wir sind gut versorgt“- diese Mentalität ist immer noch häufig anzutreffen. Damit ist nicht
nur die Versorgung einer Mehrheit durch den Priester, sondern auch durch die aktiven
Ehrenamtlichen gemeint. Mehr denn je- und nicht nur auf Grund der immer weniger und
immer älter werdenden Priester – sind alle, denen Kirche und Glaube am Herzen liegen, zum
Mitgestalten, Mittragen und Mitverantworten von gemeindlichem Leben aufgerufen. Jede und
jeder ist gefragt und wird gebraucht, damit „Gott unter den Menschen Wohnung bekommt“.
Es geht darum, Interesse zu wecken und Begabungen zu fördern und ihnen in der Gemeinde
Platz zu geben. Trotz spürbarem Erwartungsdruck an Pfarrer und Ehrenamtliche soll
achtsam mit den Ressourcen umgegangen und zeitlichen, spirituellen oder inhaltlichen
Überforderungen rechtzeitig Einhalt geboten werden.

Seelsorgeraum steht für:Öffnung der Pfarrgemeinde auf die Nachbarpfarre und andere Orte christlichen Lebens hin.

Pfarrgemeinden, die in einem Seelsorgeraum zusammengeschlossen sind, stehen miteinander
in Kontakt, koordinieren die pastorale Arbeit und arbeiten in vereinbarten Bereichen
punktuell oder dauerhaft zusammen. Ordensgemeinschaften, kirchlich-soziale Einrichtungen,
Bildungshäuser usw. leisten mit ihren Angeboten ihren speziellen Beitrag im Seelsorgeraum
oder darüber hinaus in der Region.
Wer mit anderen vernetzt ist, erweitert den eigenen Horizont durch die Erfahrungen und
Ideen anderer. Koordination und Zusammenarbeit bieten die Chance zur Schwerpunktsetzung
und Entlastung. Weil Pfarrgrenzen durchlässiger werden, bekommt der Seelsorgeraum eine
eigene Qualität und Identität. Dort können Initiativen wachsen, die gemeindeübergreifend
sind. Es können Menschen die pfarrlich nicht beheimatet sind, zu neuen Gemeinschaften
zusammenfinden.

Seelsorgeraum bedeutet: Pfarrgemeinden teilen Priester und Hauptamtliche

„Ein Priester-eine Gemeinde“ oder „jeder Gemeinde ihren eigenen Pfarrer“, diese
Wunschvorstellungen können schon seit einiger Zeit nicht mehr erfüllt werden. Ein Priester
von beispielsweise drei Gemeinden kann sich und seine Arbeitszeit nicht vervielfachen. Auch
hauptamtliche pastorale MitarbeiterInnen müssen Schwerpunkte setzen und stehen den
einzelnen Pfarrgemeinden nicht unbegrenzt zur Verfügung.
Pfarrgemeinden im Seelsorgeraum stellen sich ausdrücklich dieser Herausforderung und
erarbeiten gemeinsam Wege, die auf die zur Verfügung stehenden Kräfte so gut es geht
Rücksicht nehmen. Daraus kann ein Anstoß zur verstärkten Übernahme von
Mitverantwortung für gemeindliches Leben entstehen.

Seelsorgeraum bedeutet: einen Wandel im Berufsbild von Priestern und hauptamtlichen Laien

SeelsorgerIn- Sein in einen Seelsorgeraum bedarf einer Vergewisserung und Neuorientierung
im Selbstverständnis von Priestern und hauptamtlichen pastoralen MitarbeiterInnen zugleich.
Die Notwendigkeit zum Miteinander von Priestern und Laien stellt sich angesichts der
gegenwärtigen Situation in noch nie da gewesener Dringlichkeit. Identität und Rollen müssen
neu überdacht, Zuständigkeiten vereinbart und teamorientierte Arbeitsweisen eingeübt
werden. Besonders in diesem Feld sind viele Fragen offen. Durch positive Erfahrungen wird
das Vertrauen wachsen.

Seelsorgeraum bedeutet: Blick über den kirchlichen „Tellerrand“

Heilsames Tun, Einsatz für ein friedliches Miteinander der Menschen, der verschiedenen
Völker und Kulturen, für die Schöpfung und für soziale Gerechtigkeit geschieht auch
außerhalb unserer christlichen Gemeinschaften. Diese Menschen, Gruppen und Initiativen
sind wertvolle PartnerInnen im „Aufbau des Reiches Gottes“. Sie zu sehen, sich mit ihnen
verbunden wissen o0der konkret mit ihnen zusammenzuarbeiten stärkt und entlastet zugleich.

Seelsorgeraum steht für Neugier, Aufbrechen, in Bewegung kommen.