Chancen des Seelsorgeraums


Pfarrer Gerald Gump, Leiter des ersten "Seelsorgeraumes" im Dekanat Schwechat sprach mit "thema kirche" über die Vorteile des Organisationsmodells und (unnötige) Befürchtungen davor.
In Schwechat gestalten sieben Pfarrgemeinden - vier katholische und drei von anderen christlichen Kirchen - alljährlich gemeinsam den Stadt-Kreuzweg. Jede Pfarre übernimmt eine Station und investiert Zeit und Kreativität. "Dieser Stadt-Kreuzweg wäre von einer einzigen Pfarre in dieser Qualität und Größe nur unter sehr, sehr großer Kraftanstrengung machbar", ist Gerald Gump, Pfarrer in Schwechat, überzeugt.
Manches gestaltet sich einfacher, wenn man es gemeinsam angeht. Das ist der Grundgedanke von "Seelsorgeräumen", in denen Pfarren verstärkt zusammenarbeiten. Drei wurden per 1. Dezember 2009 von Kardinal Christoph Schönborn im Vikariat Süd errichtet. Dechant Gerald Gump ist Leiter des Seelsorgeraumes, der die Pfarren Mannswörth, Rannersdorf, Schwechat und Zwölfaxing im Dekanat Schwechat umfasst.

"Von unten" gewachsen

Dechant Gump: "In vielen Bereichen bietet sich eine Zusammenarbeit der Pfarren an."

"Der Grundgedanke zum Seelsorgeraum ist von ‘unten’, aus dem Vikariat ausgegangen, von den Dechanten und gewählten Vikariatsräten. Die konkrete Einteilung ist durch die PGR-Vertreter geschehen", berichtet Gerald Gump im Gespräch mit "thema kirche". Die Entscheidung zum Seelsorgeraum wurde bereits vor sieben Jahren getroffen. "Jetzt befinden wir uns in der zweiten Phase, wo wir den Seelsorgeraum klar deklariert haben und anhand einiger Pilotprojekte eine wirkliche Umsetzung ausprobieren."

Pfarren wechselseitig aktiv


Der Stadtkreuzweg in Schwechat wird von sieben Pfarren gemeinsam gestaltet.
Was sprach für eine stärkere Zusammenarbeit der Pfarren? Dechant Gump: "In Schwechat gibt es z. B. sehr gute Eheseminare, die auch von den anderen Pfarren gerne in Anspruch genommen werden. Die Pfarre Rannersdorf hat einen hervorragenden Chor, der auch in unserer Kirche auftritt. Die Pfarre Zwölfaxing wiederum veranstaltet jede Woche einen Flohmarkt, zu dem auch die anderen Pfarren Dinge bringen. In Mannswörth gibt es einen sehr kreativen und guten Adventmarkt …" Die Liste der wechselseitigen Aktivitäten der Pfarren ließe sich noch weiter führen. "Wenn eine Pfarre etwas längst schon sehr gut macht, dann muss das in einer anderen Pfarre nicht zusätzlich gemacht werden", sagt der Priester. Auch in der Jugendarbeit empfehle sich die Zusammenarbeit über die eigene Pfarre hinaus, weil mehr Jugendliche zusammenkommen, anstatt winziger Gruppen in den einzelnen Pfarren zu bilden. "Ich denke hier liegen die Chancen des Seelsorgeraumes", betont Gump.

Kein Weg, Priester "einzusparen".


Gerald Gump: "Die Seelsorgeräume helfen aber sicher mit, mit der Situation in der Zukunft besser zurecht zu kommen."
Die Schaffung von Seelsorgeräumen sei kein Weg, Priester "einzusparen". "Leider gibt es von vielen Seiten Sorgen und massive Vorbehalte", sagt der Dechant: "Im Seelsorgeraum ist es nämlich grundsätzlich sehr wohl gedacht, dass jede Pfarre ihren eigenen Pfarrer behält." Das ist der Unterschied des Seelsorgeraumes zum Pfarrverband, wo es z. B. einen Pfarrer mit vier Pfarren gibt. Gump: "Die Grundstruktur der Kirche, die sich primär am konkreten Ort in der konkreten und überschaubaren Gemeinde realisiert, darf nicht noch mehr verwässert werden!"
Klar sei jedoch auch, "dass wir in zehn Jahren weniger Priester haben werden. Wenn wir in Seelsorgeräumen zusammenarbeiten, sind wir für diese Situation besser gerüstet", sagt der Dechant. An den Zulassungsbedingungen für Priester müsse sich etwas ändern: "Wir dürfen nicht so tun, als ob es eh ginge. Es geht nicht – oder eben nur auf Kosten der konkreten Kirche am Ort. Die Seelsorgeräume helfen aber sicher mit, mit der Situation in der Zukunft besser zurecht zu kommen."
Auf dem Weg zur Umsetzung des Seelsorgeraumes müssen noch einige Etappen genommen werden. Viele Pfarrgemeinderäte sind skeptisch und fürchten mehr Arbeit. Gump ist optimistisch: "Ich denke, dass das Verständnis für den Seelsorgeraum wachsen wird – mein Ziel dabei ist ja auch, dass es mittelfristig zu einer gegenseitigen Entlastung kommt." Er hält Seelsorgeräume für sinnvoll. Dechant Gump: "Ich stehe dahinter."
(ag)